Kinderfest im Gängeviertel

Der stärkste Regenschauer ist gerade vorbeigezogen und endlich kommt über Sand, Palmen und den gespannten Segeln auch die Sonne heraus. Aus dem Eingang der Fabrique stürmen unzählige Eltern und mindestens doppelt so viele Kinder ins Freie, um sich auf der Rollenrutsche oder beim Graffiti-Workshop wieder zu sammeln. Das Stimmengewirr ist ohrenbetäubend, aber fröhlich. Im Veranstaltungsraum der Fabrique gibt es zeitgleich Kinderschminken und eine Einführung ins DJ-Einmaleins, im Stockwerk darüber werden Tiere und Muster auf Kleidungsstücke gesiebdruckt. Überall im Viertel sind Gruppen von Kids unterwegs, die entdecken, klettern und einfach nur Spaß haben.

Kinderfest 1

Wem diese Beschreibung zu idyllisch erscheint, dem sei gesagt, dass der von der Bild-Zeitung neu auserkorene linksradikale Hotspot Hamburgs im Moment tatsächlich genauso aussieht. Der Kontrast wirkt umso krasser, wenn man die Begrenzungen des Viertels verlässt: Vor zwei Tagen hat der größte Polizei-Einsatz der Stadtgeschichte begonnen, auswärtige Wannen fahren im Minutentakt den Valentinskamp hinunter, zwischendurch passiert die Refugee-Demo unter lauten „No G20“-Rufen das Viertel. Ein Kulturprogramm im Belagerungszustand steht uns bevor, was die nächsten Tage bringen werden, ist völlig ungewiss.

Das Gängeviertel war immer ein offener, gastfreundlicher und bunter Ort. Zehntausende Hamburger, die uns in den letzten Jahren besucht haben, wissen das und werden sich auch von den abenteuerlichen Gefahrenprognosen des LKA und den Scharfmachern der Springer-Presse nichts vormachen lassen. Der Rückhalt und das Vertrauen in der Stadt, die wir uns in den letzten Jahren erarbeitet haben, sind der beste Schutz, den wir in den kommenden Tagen haben werden. Mit Unsicherheit und Befürchtungen blicken wir auf die Kampagne, die Teile von Politik und Presse gerade gegen uns in Stellung bringen, und bitten euch: Lasst euch nix erzählen und vor allem: Lasst uns nicht allein!

Kinderfest 2

Wir werden in den kommenden Tagen aus dem Viertel berichten, während sich nebenan einige der mächtigsten und gruseligsten Gestalten der Weltpolitik treffen und der Sicherheitsapparat uns auf die Pelle rückt. Kleine Berichte, Ereignisse und Anekdoten, die zeigen sollen, wie eine andere Welt auch unter widrigsten Bedingungen möglich sein kann und die eine Alternative bieten sollen zu den Gewalt- und Überwachungsphantasien von Polizei und Medien und der protzigen Zurschaustellung von Macht ein paar Häuser weiter. Wir freuen uns, wenn ihr dabei bleibt!

Euer Gängeviertel

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