100.000 gegen 20

Da sind sie also, die lange heraufbeschworenen Bilder enthemmter Gewalt in der Schanze. Bilder, die sich wie eine Decke über die Ereignisse der vergangenen Woche ausbreiten und die jede Diskussion über das Verhalten von Politik und Polizei und den Unsinn eines G20-Gipfels in einer Großstadt ersticken sollen. Der vielfältige und vielgestaltige Protest verschwindet hinter brennenden Müllbergen, begierig aufgetürmt von einem Teil der Medien, die auf nichts anderes gewartet haben. Wir wissen nicht, wer für die aggressiven Aktionen der vergangenen Nacht im Schanzenviertel verantwortlich ist. Wir wissen nur, von wem sie nicht ausgegangen sind – von unseren Freundinnen und Freunden aus der Roten Flora.

Doch es sind nicht diese Bilder, die den vielfältigen Widerstand dieser Tage geprägt haben. Gerade erst ist die Großdemo gegen G20 mit mindestens 100.000 Teilnehmern zu Ende gegangen. Eine Vielzahl von Initiativen brachte ihren Protest so kraftvoll auf die Straße, dass das Ende der Demo noch nicht einmal den Deichtorplatz verlassen hatte, als ihre Spitze bereits das Nobistor erreichte. Sie war der beeindruckende Schlussakkord einer ganzen Woche von Protesten.

Die blauen Schlümpfe - eine Ergebnis des Enmedio-Workshops im Gängeviertel

Die blauen Schlümpfe – eine Ergebnis des Enmedio-Workshops im Gängeviertel

Es waren tolle Aktionen, die in den vergangenen Tagen gelaufen sind: Alleine gestern zogen rund tausend Schüler*innen bildungsstreikend durch Hamburg, zahlreiche Blockaden verzögerten den Beginn des Gipfels, die Colorful Mass radelte durch die Stadt und im Arrivati-Park wurde die Urban Citizen Card ausgegeben und getanzt. Mit dem Ende des Gipfels versammeln sich jetzt Tausende in den angrenzenden Vierteln, um ihre zurückgewonnenen Freiheiten zu feiern.

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Seit über einer Woche ist das Gängeviertel nun die Oase der Gipfelproteste. In dieser Zeit haben wir Tausende Menschen auf weißem Sand und unter Palmen mit Essen, Informationen, Duschen und einem Raum zum Durchatmen versorgt. Unzählige Medienvertreter haben uns hier besucht, unser Kulturprogramm dokumentiert und teilweise sogar mit uns Gemüse geschnibbelt. Ihren Charakter als Ruhe- und Rückzugsraum hat die Oase in dieser Zeit nie verloren. Selbst als wir gestern während der Blockaden von der Polizei umzingelt wurden, trotzten unsere Gäste und Mitglieder mit einem spontanen Akustikkonzert dem Lärm der über dem Viertel kreisenden Hubschrauber. Andere Menschen drumherum schliefen, entspannten sich einfach nur oder kochten Essen.

Der offizielle Gipfel ist nun fast vorbei, und das ist gut so. Dieses Gefühl teilen wir wohl mit fast allen Menschen in dieser Stadt. Wir laden herzlich dazu ein, mit uns den letzten Abend in der Oase zu teilen.

Freie Oase Gängeviertel, 8. Juli 2017

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