WOW oder Was für eine Oase

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Die Freie Oase Gängeviertel ist glücklich. Sie freut sich darüber, dass die G20 die Stadt wieder verlassen haben und dass das Oasen-Konzept aufgegangen und auf wunderschöne Weise Realität geworden ist. Zehn Tage lang haben wir hier einen magischen Ort geschaffen, ein lebendiges Gegenbild zu dem von 20.000 Polizisten abgeschotteten Treffen der Mächtigen und Reichen, das – sieht man von der massiven Repression ab – ohne nennenswertes Ergebnis zu Ende gegangen ist. Alle Aktivist*innen des Gängeviertels und zahlreiche Unterstützer*innen waren in diesen Tagen fast rund um die Uhr auf den Beinen, Orgateam, Vokü, Aussteller, Live-Musiker, FSK, das Infopoint- und Presseteam und viele mehr haben Hand in Hand gearbeitet und sich prächtig ergänzt.

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1000 Gestalten bewegten sich in Zeitlupe durch die Stadt, 25.000 Menschen tanzten unter dem Motto „Lieber tanz ich als G20“, wir haben morgendliche Kundgebungen abgehalten, an erfolgreichen Blockaden teilgenommen und uns darüber gefreut, dass am Samstag fast 100.000 Menschen gemeinsam gegen die Politik der G20 auf die Straße gegangen sind. Unser Platz war eine wie von einer unsichtbaren Kuppel geschützte Oase des Friedens mitten im Ausnahmezustand. Sie stand stellvertretend für die Keimformen einer neuen Gesellschaftlichkeit, die in diesen Tagen sichtbar wurden – in den vielfältigen Protestaktionen, Demonstrationen, Raves, Blockaden und Performances, die ihren lauten und lebhaften Dissens auf der Straße zum Ausdruck gebracht haben, aber auch im Zusammenhalt der verschiedenen Zentren, die ein alternatives Netz über die Stadt gelegt haben, von der Roten Flora bis zur fux-Genossenschaft, vom Centro sociale bis zum Gängeviertel, vom Kölibri bis zur Hafenstraße, vom Gipfel für globale Solidarität auf Kampnagel bis zum alternativen Medienzentrum FC/MC im FC-St.-Pauli-Stadion. Großartig war auch die vielfältige Unterstützung aus der Zivilgesellschaft, die auf Camp- und Schlafverbot mit Übernachtungsangeboten und Kunst- und Kirchenasyl reagierte. In der solidarischen und freundschaftlichen Bezugnahme aufeinander, die jeden Versuch der Spaltung scheitern ließ, entstand eine Einheit in der Verschiedenheit, die es so noch nicht gegeben hat. Die Botschaft, die von diesen Tagen ausgehen werde, sagte Emily Laquer auf der Abschlusspressekonferenz im FC/MC, sei ein „Aufstand der Hoffnung“ – „der Mut der vielen und die Sehnsucht nach einer anderen Welt haben unsere Angst und unsere Ohnmacht gebrochen“.

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Es sind diese Bilder, die wir mit in die Zukunft nehmen möchten, Bilder dessen, was wir geschaffen haben, nicht die Bilder der alten Welt von Polizeiübergriffen oder der Freitagnacht im Schanzenviertel. Für uns und viele andere waren es in der Summe wundervolle Tage eines Summer of Resisdance, an die wir in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren anknüpfen werden, für das Recht auf Stadt, für Alles Allen. Auch die Freie Oase Gängeviertel wird es weiter geben – genau an dieser Stelle, als Blog des Gängeviertels, als laute Stimme in der Wüste Innenstadt. Man sollte schließlich erst aufhören, wenn es am schönsten ist.

Freie Oase Gängeviertel, 10. Juli 2017

 

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