Hedonistisches Massencornern gegen G20

Am Dienstagnachmittag und bis spät in die Nacht waren in Hamburgs Szenevierteln an allen Ecken und Enden Hunderte von Menschen versammelt, die sich die Straße nahmen, um Musik zu hören, zu feiern und die Stadt nicht der allgegenwärtigen Polizeipräsenz zu überlassen. Massencornern gegen G20 als eine Form von Reclaim the Streets und als Selbstbehauptung der Stadt von unten gegen den Belagerungszustand von oben. Mitinitiiert wurde die Aktion von ALLES ALLEN. Miko Hucko erklärte dazu auf der ersten Pressekonferenz im unabhängigen Mediencenter FC/MC im FC St.-Pauli-Stadion:

„ALLES ALLEN ist eine Bewegung, eine offene Struktur, die für alle ist und von allen benutzt werden darf. ALLES ALLEN will sich nicht nur gegen den G20 richten, sondern aus dieser Bewegung heraus damit anfangen, neue Welten zu bauen und Zukünfte zu öffnen. Und dabei die Freude und das Träumen nicht vergessen.“

In diesem Sinne versteht die Initiative auch das Hardcornern oder hedonistische Massencornern: „Cornern, das heißt Rumhängen und Lungern sind ausgesprochen gemeinschaftliche Beschäftigungen, die in der gegenwärtigen Weltordnung zu wenig betrieben werden: Zusammensein um des Zusammenseins willen. Ohne Leistungszwang, ohne Beschäftigungszwang und ohne dass dafür etwas bezahlt oder gekauft werden muss. Schließlich gehören die Straßen und Städte allen. Wir sollten uns nicht davon abhalten lassen, sie frei zu benutzen, um Situationen zu schaffen und Begegnungen zu ermöglichen.“

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Die Polizei sah das mal wieder anders und ging in der Nacht mit Wasserwerfern massiv gegen die fröhlich feiernden Menschen im Arrivati-Park vor, genauso wie gegen campende G20-Gegner*innen. Innensenator Andy Grote hatte dazu – in der ihm eigenen Mischung aus Irreführung und Realitätsverlust – erklärt, die Polizei werde „der Bevölkerung und friedlichen Demonstranten friedlich und zugewandt“ gegenübertreten.

Das Kirchen- und Kunstasyl für Menschen, die Übernachtungsmöglichkeiten suchen, weitet sich hingegen konsequenterweise weiter aus. Und Reclaim the Streets wird auch den heutigen Tag bestimmen, u.a. mit 1000 Gestalten um 13:30 Uhr am Chilehaus und dem Rave gegen G20, der um 18 Uhr an den Landungsbrücken startet, Abschluss am Gängeviertel. Wir freuen uns auf euch!

Freie Oase Gängeviertel, Tag 6, 5. Juli 2017

 

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Recht auf Stadt: Urban Citizenship Card, New Hamburg, Asyl für die Camps

Im Rahmen einer Pressekonferenz in dem vom Hamburger Recht-auf-Stadt-Netzwerk ins Leben gerufenen Arrivati-Park am Neuen Pferdemarkt wurde heute die erste Urban Citizenship Card Deutschlands vorgestellt, in ersten Exemplaren als Prototyp verteilt und die Free and Solidarity City of Hamburg ausgerufen. Eine Idee ist damit in der Welt! Sie bezieht sich auf das Vorbild der ID NYC aus New York, die Bürgern unabhängig vom Aufenthaltsstatus den Zugang zu Bankkonten, städtischen Dienstleistungen, Weiterbildung etc. garantiert. Bisher Papierlose werden mit dieser Karte vor der Ingewahrsamnahme durch die Polizei geschützt. Das Konzept der Staatsangehörigkeit wird so zumindest teilweise durch eine eigenständige Politik auf städtischer Ebene abgelöst. Im Gegensatz zur Politik der G20, die Migration vor allem als Sicherheitsproblem behandelt, befördert die Idee von Urban Citizenship die Utopie einer solidarischen Weltgesellschaft, die von unten wächst. Niels Boeing vom RaS-Netzwerk Hamburg antwortete auf die Frage nach den Erfolgsaussichten der Initiative: „Manchmal muss man die Dinge einfach in die Hand nehmen, um den Horizont zu erweitern.“

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Conny Gunßer von Watch the Med Alarmphone verwies auf die 1.700 Toten im Mittelmeer, die die Abschottungsmaßnahmen der EU bereits in diesem Jahr gefordert haben, und forderte eine sichere und legale Passage für Flüchtlinge nach Europa.

Auch ein Vertreter von Sea Watch protestierte gegen die Migrationspolitik der G20, da sie die Kriminalisierung von Flucht und Seenotrettern beinhalte, und erklärte sich mit den Kämpfen gegen den G20-Gipfel in Hamburg solidarisch.

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Eine zweite Ausgabestelle der Urban Citizenship Card gab es am Nachmittag auf dem Hansaplatz in St. Georg, wo die Initiative New Hamburg eine Wunschfiliale eröffnet hatte. New Hamburg ist ein Kooperationsprojekt des Schauspielhauses und des Kirchenkreises Hamburg-Ost, das auch im Netzwerk Recht auf Stadt vertreten ist. Seit 2014 versucht die Initiative Stimmen von Menschen Geltung zu verschaffen, die sonst nicht gehört werden, so auf der Veddel, einem von Migrant*innen geprägten Stadtteil, wo früher mit der Ballinstadt Hamburgs größte Auswanderersiedlung stand. Hier leben heute Menschen aus 63 Nationen, in St. Georg aus mehr als 120.

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„Wir repräsentieren viel mehr als die G20“, erläutert Sina Schröppel von New Hamburg mit einem augenzwinkernden Lächeln. Und fügt hinzu: „Wir versuchen mit künstlerischen, politischen und theatralischen Mitteln die Themen, die aus den Stadtteilen kommen, zu transportieren.“ In der Wunschfiliale von New Hamburg können Migrant*innen ihren Forderungen und Bedürfnissen Ausdruck verleihen.

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Am Abend startete dann das FC/MC, ein unabhängiges Medienzentrum für alternative Medienberichterstattung, im Ballsaal des St-Pauli-Stadions mit seiner ersten Pressekonferenz, die ab heute täglich während des Gipfels im Livestream bei fcmc.tv ausgestrahlt wird. Ein großartiges Projekt, das von 300 Medienaktivist*innen ehrenamtlich auf die Beine gestellt wurde. Danke auch an den FC St. Pauli! We’ll never walk alone!

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Auch in der Frage der Camps gibt es Neuigkeiten: Das von der Polizei drangsalierte Camp auf Entenwerder wurde von den Campern aufgelöst. Dafür öffneten Kirchen und Kulturinstitutionen wie das Schauspielhaus oder die Kulturkirche in Altona ihre Flächen für die G20-Kritiker*innen, denen das Recht auf Schlaf genommen wurde. Kirchen- und Kulturasyl at its best! Die Zivilgesellschaft funktioniert und zeigt Courage. Auch dafür danke!!

Insgesamt ein guter Tag für die Gipfelgegner*innen. Gegen die stumpfe Haltung des Senats, der außer Repression und Sirenengeheul nichts zu bieten hat, setzte sich die Vielfalt und Kreativität des Widerstands durch. Medial sind die letzten Tage für Polizeiführung und politisch Verantwortliche sowieso ein GAU. Für ihren Versuch, jeden Widerstand im Keim zu ersticken, werden sie politisch und moralisch einen hohen Preis zu zahlen haben. Lasst euch nicht einschüchtern, kommt nach Hamburg und geht mit uns auf die Straße.

Morgen geht’s weiter mit 1000 Gestalten und dem Rave gegen G20 ab 18 Uhr Landungsbrücken. Zum Massencornern folgt ein eigener Blog-Text.

Freie Oase Gängeviertel, Tag 5, 4. Juli 2017

Grenzenlose Bewegungsfreiheit abgesagt

Gaänge G20

Am Montag, den 3. Juli, wurde die Klage des Gängeviertels auf Durchführung der Kundgebung „Für grenzenlose Bewegungsfreiheit“ vorm Oberverwaltungsgericht abgewiesen. Die Dauerkundgebung im Innenhof der Schier’s Passage unterliegt damit weiterhin der Allgemeinverfügung, die mit 38km² die größte Versammlungsverbotszone der Stadtgeschichte festlegt. Somit wäre eine Durchführung der Veranstaltung nur von Dienstagabend 18 Uhr bis Freitagmorgen 5.59 Uhr möglich gewesen. Zu den zentralen Zeiten des Gipfels wäre die Kundgebung damit unterbunden worden. „Das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit ist für uns unteilbar, und wir werden auch unsere Kundgebung nicht in genehme und unangenehme Teile spalten lassen“, sagt die Initiative „Komm in die Gänge“.

Da der bisherige Umgang mit angemeldeten Kundgebungen und Camps auch für diese Versammlung nichts Gutes erwarten ließ, haben wir uns entschieden die Kundgebung abzusagen. Denn repressive Vorkontrollen und Durchsuchungen werden wir unseren Besuchern nicht zumuten. Stattdessen konzentrieren wir unsere Kräfte lieber auf unser kulturelles Programm und unsere Rolle als Gastgeber –  die jetzt dringender denn je nötig ist.

Unser normales kulturelles und soziales Programm ist davon selbstverständlich nicht betroffen, da uns auch weiterhin von Innenbehörde und Polizei Zugänglichkeit garantiert wird. Heute Abend wird beispielsweise die Ausstellung „Amphitheatreffknoten“ im MOM-Artspace der Fabrique gemeinsam mit der Behörde für Kultur und Medien eröffnet werden, und am Mittwoch findet das Live-Streaming von „Lesen ohne Atomstrom“ aus der Laeiszhalle wie geplant statt.

Freie Oase Gängeviertel, Tag 5, 4. Juli 2017

1000 Gestalten und Arrivati – Free and Solidarity City Hamburg

Die Vorbereitungen für die Kunstperformance „1000 Gestalten“ laufen im Oberhafen seit einer Woche auf Hochtouren. Die von „Neu am See“ in Kooperation mit dem Gängeviertel, der Hanseatischen Materialverwaltung und ALLES ALLEN veranstaltete Intervention im öffentlichen Raum wird am Mittwoch um 13:30 Uhr am Burchardplatz beim Chilehaus starten. Ein möglichst großes Publikum ist erwünscht und herzlich eingeladen.

Die Stimmung bei Performern und Supportern ist hervorragend. Es gab bereits mehr Anmeldungen, als berücksichtigt werden konnten. Presse und Fernsehen haben breit berichtet. Gudrun Schoppe von der Initiative ist „sehr glücklich und überwältigt von der riesigen Unterstützung, die die Aktion seitens der Hamburger Zivilgesellschaft erfahren hat“.

1000Gestalten

Angesichts der Behinderungen der Proteste gegen den G20 und die faktische Verunmöglichung von Camps durch die Hamburger Polizeiführung ergänzt Rita Kohel vom Gängeviertel: „Das ist Demokratie auf niedrigstem Stand – eine Schande für die Hamburger Politik und kein gutes Vorzeichen für die nächsten Tage.“

Dennoch sind die beiden Aktivistinnen optimistisch, dass kritische Stimmen und Kunstaktionen auch im derzeitigen Belagerungszustand eine Chance haben und Gehör finden werden.

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Am Nachmittag fand Am Grünen Jäger beim Pferdemarkt ein politisches Picknick und eine Fotoausstellung im frisch entstandenen Arrivati-Park statt. Das Gängeviertel begrüßt die Initiative, die sich im Kontext von Recht auf Stadt einordnet. Im „Park der Angekommenen“ sollen Fragen zu Flucht, Migration und Urban Citizenship in den öffentlichen Raum getragen werden. Morgen, Dienstag, um 12 Uhr wird auf einer Pressekonferenz u.a. die erste Urban-Citizenship-Card in Deutschland vorgestellt werden. Die Vision der „Free and Solidarity City Hamburg“ steht in deutlichem Kontrast zur Politik der Staatschefs, die sich in Hamburg zum G20 versammeln werden.

Eine Stadt für alle: Das ist das gemeinsame Ziel von 1000 Gestalten und Arrivati-Aktivist*innen gegen den Gipfel der selbsternannten Herren dieser Welt. Die vielfältigen Proteste nehmen  an Fahrt auf und multiplizieren sich wechselseitig. Der Widerstand gegen die graue Uniformität der Macht lebt!

Freie Oase Gängeviertel, Tag 4, 3. Juli 2017

Camping is not a crime!

Machen wir uns nichts vor – uns wird schon genug vorgemacht: Was gerade in Hamburg passiert, ist eine Schande! Der gesamte Innenstadtbereich hat sich in eine Festung verwandelt, an jeder Ecke stehen Wannen, und über unseren Köpfen kreisen ununterbrochen die Hubschrauber. So weit, so absehbar, wenn ein Ereignis wie der G20-Gipfel in einer Großstadt stattfindet, dann wird es halt auch die entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen geben.

Was allerdings nicht absehbar war, ist der Umgang der Stadt und der Polizei mit den Menschen, die nach Hamburg gekommen sind, um sich den Protesten gegen dieses Treffen und seine teilweise sehr unappetitlichen Teilnehmer anzuschließen. Großflächige Vorkontrollen, angehaltene Konvois und Busse, die teilweise an ihrer Weiterfahrt in bestimmte Viertel gehindert werden (auf welcher Grundlage auch immer), und willkürliche Personenkontrollen in den angrenzenden Vierteln sind dabei nur ein Teil des Drohszenarios, das in dieser angeblich so liberalen Hafenstadt aufgebaut wird.

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Die Krone setzt dem Ganzen allerdings der Umgang mit den Camps der Gipfelgegner auf: Hier setzt sich die Polizei mittlerweile offen über geltende Gerichtsbeschlüsse hinweg, gedeckt vom Rot-Grünen Senat, während die bürgerliche Gesellschaft der Aufhebung der Gewaltenteilung tatenlos zusieht. Menschen, die einen Platz zum Schlafen suchen und ihr Zelt in einem Park aufbauen, werden von der Polizei niedergeknüppelt und mit Pfefferspray angegriffen – ebenso wie Vertreter der Presse. Schlafentzug als Waffe und Mittel der Repression.

Wir werden diesem Treiben nicht weiter tatenlos zusehen! Der informelle Ausnahmezustand ist in Hamburg längst Realität und lauert paranoid, uniformiert und bewaffnet an jeder Ecke. In solchen Zeiten liegt es an der Zivilgesellschaft, aufzustehen und den Mund aufzumachen, um die Grundrechte aller Bürger zu verteidigen. Darum setzen wir uns für eine Gesamtlösung für das Camp ein und hoffen gleichzeitig, dass möglichst viele Kulturräume, Zentren, Kirchen und Einzelpersonen in Hamburg ihre Türen für die internationalen Gäste öffnen, bis diese Lösung erreicht ist. Die Menschen, die nach Hamburg gekommen sind und noch kommen werden, müssen untergebracht werden, damit der so oft betonte legitime Protest überhaupt möglich wird. Grünflächen abzusperren oder freizuprügeln ist einer Stadt, die gleichzeitig einen Gipfel für Hunderte Millionen Euro ausrichtet, absolut unwürdig.

Das daraus resultierende Szenario Hunderter kleiner Camps im gesamten Stadtgebiet – wenn auch logistisch durchaus im Bereich des Möglichen – ist ein Albtraum für Politik und Gipfelgegner gleichermaßen und ein Armutszeugnis für Demokratie und freie Meinungsäußerung in dieser Stadt. Wir bereiten uns auf alle Eventualitäten vor, rufen aber Polizei und Politik dazu auf, endlich zur Vernunft zu kommen und diese Scharade zu beenden.

Freie Oase Gängeviertel, Tag 4, 3. Juli 2017

Von Protestwellen, schwarzen Blöcken und Medienaktivismus

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Die farbenprächtige Protestwelle mit mehr als 20.000 Menschen, die unter dem Motto „Eine andere Politik ist nötig“ gegen den G20 protestieren, ist gerade am Viertel vorbeigezogen. Schon zuvor gab es Bootsdemonstrationen auf der Alster, besondere Freude hat uns dabei der Schwarze Block von „Alles Allen“ bereitet, der mit dabei war.

Zeitgleich wird das Antikapitalistische Camp auf Entenwerder, das letzte Nacht vom Verwaltungsgericht genehmigt wurde, von der Polizeiführung weiter blockiert. Camp-Rechtanwalt Martin Klingner spricht von „einem Putsch der Polizei gegen die Justiz“.

Und was ist bei uns im Gängeviertel los? Der Platz füllt sich mit Menschen und Ideen. Dankbar werden Wegbeschreibungen entgegengenommen, Informationen geteilt und Aktionen vorbereitet.

Heute hat ein Workshop der Künstler*innen-Gruppe Enmedio stattgefunden. Die aus Barcelona angereisten Medienaktivisten haben zwei Tage lang gemeinsam mit vielen Beteiligten an Aktionen gearbeitet, die in den nächsten Tagen stattfinden sollen.

Das Freie Sender Kombinat FSK, das in unserer Fabrique beheimatet ist, trifft sich heute mit anderen Freien Radios im Rahmen eines Treffens des Bundesverbands Freier Radios und sendet live aus Entenwerder. In den nächsten Tagen gibt es Beiträge internationaler Gäste aus Kurdistan, Mexiko und der Côte d’Azur. Ab Dienstag gibt es von 7 bis 10 Uhr immer ein Morgenradio mit Radio Korax. Dienstag von 16 bis 2 Uhr sollte man FSK einschalten und live beim Hardcornern dabei sein! Zudem ist das FSK im Medienzentrum FC/MC engagiert. Natürlich gibt es ein kontinuierliche Live-Berichterstattung und Presseauswertung auf allen Kanälen.

ALSO UNBEDINGT FSK ANSCHALTEN.

Und: Kommt in die Oase, unterstützt die Camps!

Freie Oase Gängeviertel, Tag 3, 2. Juli 2017

Fusion 2017

English version below!

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Nachdem der sintflutartige Regen endlich ein Ende gefunden hat, machen auch die Aufbauarbeiten an der Oase wieder Fortschritte. Bunte Planen und Netze überspannen den sandigen Boden, an der Fabrique ist über Nacht ein Infopunkt entstanden und im Wäldchen wird mit Hochdruck am Chill-Out-Bereich gearbeitet. Normalerweise würden sich an diesem Wochenende Tausende auf dem Fusion-Festival aufhalten und ein bisschen Fusion-Flair macht sich auch hier breit, als aus den Boxen der neuen Bar entspannter Elektro anklingt. Menschen mit großen Rucksäcken auf dem Rücken mischen sich mit dem Publikum des Punk-Konzerts, das jeden Moment in der Fabrique beginnen wird; aus dem ersten Stock kommen die Besucher des Enmedio-Kollektiv-Workshops. Kein Zweifel, der Gipfel-Protest rollt an und mit ihm zahlreiche Menschen auf der Suche nach Informationen, Orientierung und vor allem Schlafplätzen.

Wie auf einer richtigen Fusion darf natürlich auch der Belagerungsring der Polizei nicht fehlen, der uns permanent umgibt. Einheiten aus allen Bundesländern umrunden regelmäßig das Viertel. Allerdings hat die Polizeipräsenz direkt an den Messehallen spürbar nachgelassen, aus einem einfachen Grund: Polizei und Politik versuchen momentan den Protest im Keim zu ersticken, indem diesem gar nicht erst die notwendige Infrastruktur zugestanden wird. Verkehrswege, wie der Alte Elbtunnel, werden gekappt, Busse aufgehalten und durchsucht (trotz Polizeischikanen ist die Vorhut des Wendlandtrecks in Hamburg angekommen und hat für die Nacht Aufnahme auf dem Hof der fux eG gefunden), Demonstrationen verboten. Am härtesten trifft dieses Vorgehen zurzeit die geplanten Camps, die trotz eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts verboten oder auf ein Mindestmaß beschnitten werden sollen. Küchen, Dusch- und Schlafverbote sollen Menschen davon abhalten, überhaupt nach Hamburg zu kommen – das Verweigern der grundlegendsten Bedürfnisse als politische Repression.

 

 


Die Oase reagiert darauf, so gut sie kann: In der Schier’s Passage beginnt der Aufbau der Vokü, die täglich tausend Menschen versorgen soll und im Fabrique-Hof wurden provisorische Outdoor-Duschen errichtet. In Altona entsteht die Kampagne „Schlaflos in Hamburg“, die sich um die Vermittlung von Plätzen kümmert, während in Volks- und Stadtpark und vor den Gerichten weiter um die Camps gekämpft wird. Die lokalen Strukturen gegen die Strategien von Prävention und Repression.

Rote Flora, Recht auf Stadt, Koze, Centro sociale, Fux, Gängeviertel – die Kämpfe der letzten Jahre haben uns vernetzt und stark gemacht. Vertraut uns und kommt nach Hamburg! Gemeinsam kriegen wir alle versorgt und untergebracht, damit nicht das wahr wird, was heute schon auf Twitter zu lesen war: „Drei Tage ohne Duschen, Essen und Schlafen? Tausende bezahlen dafür auf der Fusion Eintritt!“

Freie Oase Gängeviertel, Tag 2, 1. Juli 2017

 

Update: Heute Nacht hat das Gericht ein Camp in Entenwerder genehmigt. Na also, geht doch! Morgen 12h alle hin zum Aufbau!

 

Fusion 2017

 

After the storm, the oasis finally is making some headway. Colorful sails stretch over the sandy ground, an Info-Point sprung up next to the Fabrique over-night and in the small forest people are working tirelessly on the chill-out area. Usually, this would be the weekend of Fusion Festival, where thousands of people would celebrate. Some slow electronic music from the new bar creates at least a little bit of this feeling. People with big backpacks mix with the crowd waiting for the punk-concert, that’s about to begin in the Fabrique, and the guests of the Enmedio workshop. No doubt, the protest to the G20-summit has arrived and with it many people looking for information, orientation and, above all, a place to stay.

 

 

Just as on the original fusion, the whole scenery is sourounded by the police. Units from all areas of Germany frequently circle the project. However, the presence of police has noticeably diminished today, for a simple reason: Police and politicians attempt to impede the protests by denying it its basic infrastructure. Traffic lines are cut, busses stopped and searched, and demonstrations prohibited. The camps are hit hardest by this strategy. Apparently, not even a judgement by the Supreme Court is sufficient in this city right now. The prohibition of kitchens, showers, and sleeping tents attempts to prevent people from even coming to Hamburg – the denial of basic necessities as a strategy of repression.

The Oasis reacts to this situation by setting up a kitchen for one thousand people daily and by putting up outdoor-showers; In Altona the initiative “Sleepless in Hamburg” is founded to find sleeping places for everyone, while the camps in the Stadt- and Volkspark struggle, in and outside the courts.

Rote Flora, the Right to the City-movement, Koze, Centro sociale, Fux and Gängeviertel: Our struggles of the last years have united us and made us strong. Trust us and come to Hamburg! Together, we will accommodate and feed everyone to avoid what has already been called on Twitter today: “Three days of sleep-deprivation, no food and no showers? Usually, people pay entrance for that at the Fusion.”

Free Oasis Gängeviertel, Day, 2, 1 July 2017

Update: Tonight, the courts permitted the anti-capitalist camp in Entenwerder. Finally! Tomorrow at noon we’ll start putting it up!